Überspringen zu Hauptinhalt

Jedes Jahr, am ersten Samstag im Mai, kann man das Die Blaue Nacht-Orakel befragen. Nach dem Eintritt durch das Himmelstor blickt man auf einen Kiosk, an dem man das Blaue vom Himmel, auf ein Stück Stoff gestrichen bekommt.

Unter einem Himmelsdach meint man Harfenklänge aus der dreibeinigen Terrine zu hören, die mit leuchtend blauen Himmelluftpartikeln gefüllt ist. Sie wurden von unzähligen himmelblauen, winzig kleinen Engeln gesammelt.

Die Zeremonie beginnt. Himmlischer Nektar aus dem Tau, der sich in himmelblauen Mittsommernächten, auf dem Blau zwischen den Wolken gesammelt hat, wird jetzt auf kleine Stoffteile gegossen. Der betörende Duft wird mit einem Fächer verteilt. Die aufsteigenden, blumig alkoholischen Dämpfe wirken berauschend. Während dieser Zeremonie wird der himmlisch blaue Staub unter Zugabe des kostbar süßen Nektars in einem Kristallgefäß streichfähig gemacht und mit Anmut auf kleine feine Leinenblätter verteilt. Anschließend werden die bestrichenen Stofftüchlein zart mit himmelblauem Staub gepudert und in eine Schachtel „to go“ gelegt. Das Ritual muss streng eingehalten werden und vollendet sein, bevor die Sanduhr abläuft, die mit blauem Himmelszucker gefüllt ist. Deshalb müssen die Besucher sehr artig und aufmerksam sein. Wir sind schließlich im Himmel.

Im Karton ist aber noch Platz für ein zweites Stück Rupfen. Nach dem Einlass am Höllentor steigt man die Stufen hinab zum Höllenkiosk. Dort hört man noch leise die Schreie und Flüche der Verdammten aus der Tiefe des mit Ruß und Asche gefüllten Topfes. Garstiger Gestank von Pech und Schwefel steigt auf. Aus einem tiefen Brunnen im Burggraben, wurde in schwärzester rauer Winternacht der teuflische Ausfluss heraufbeschworen. Mit dieser scharfen Paste wird am Rand des Bottichs der schwarze Staub des Bösen zu einem Aufstrich verarbeitet. Hier geht es nicht so behutsam zu. Derb und grob wird die Asche mit dem roten, scharf stinkenden Öl in einer Kupferpfanne zu Brei geschlagen und auf den Fetzen geschmiert, am Ende mit Ruß gewürzt.

Haben Sie es lieber teuflisch scharf oder zuckersüß? Sie bekommen beides. Wer noch nicht weiß, ob er am Ende in der Himmelsterrine oder im Höllenkessel landen will, kann sich hier einen Vorgeschmack holen. Wenn der Karton mit dem Staub der Tugendhaften und den Überresten der Verdorbenen gefüllt ist, darf man die Hölle wieder verlassen und den Imbiss mit nach Hause nehmen. Wer daran schnuppert wird benebelt und kann in diesem Zustand seine Zukunft daraus lesen. Vorsicht! Nicht essbar!

Performance mit Pigmenten
Nürnberg – Kunstvilla, Blaue Nacht
2019

An den Anfang scrollen